Önosophie

oenosophie

Sokrates trank Wein, Jesus ebenfalls. Karl Marx und Friedrich Engels genossen den holden Rebensaft des Öfteren zu zweit. Simone de Beauvoir, Albert Camus, Pablo Picasso und andere namhafte Zeitgenossen diskutierten im „Café de Flor“ im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Prés zu dritt, viert … bei einem (oder wohl eher mehreren) Gläsern. Wein ist – wie gutes Essen auch – ein altehrwürdiges europäisches Kulturgut und „wo er fehlt“, so Euripides, „stirbt der Reiz des Lebens“, denn „Wein“, würde Plutarch von Chäronea hinzufügen, „ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneien das Schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das Angenehmste.“

Ralph Tanner

Nun gut, man könnte, wenn man denn wollte, auch gegen die beiden alten geniessenden Denker argumentieren. Man könnte gewiss auch andere Reize im Leben festmachen und die Nützlichkeit, Schmackhaftigkeit und Zärtlichkeit des Rebensaftes bestreiten. Nicht bestreiten hingegen kann man, dass viele Menschen innerhalb unserer Kulturkreises unter Freunden, an Festen, in der kirchlichen Liturgie oder ganz einfach als Essensbegleiter gerne Wein trinken. Massvoll genossen – und dies ist ebenso unbestreitbar – ist Wein ein belebendes, gesundheitsförderndes und Menschen verbindendes Getränk. Es ist in diesem Kontext kein Zufall, wenn Sokrates an einem berühmt gewordenen „Symposion“ mit seinen Freunden aus Kunst und Philosophie eine Nacht lang dem Wein huldigt und leidenschaftlich debattiert, wenn Jesus an seinem letzten Abend auf Erden mit seinen engsten Freunden und Vertrauten Brot bricht und Wein trinkt, und es ist ebenso wenig zufällig, wenn Karl Marx umgehend der Einladung seines Freundes Engels folgt, der ihm am 17. Mai 1870 folgende Zeilen schreibt: „Endlich finde ich, dass mein 1857er Rüdesheimer jetzt gerade in der Periode ist, wo er getrunken werden muss, und dazu brauche ich deine Hilfe.“

Wie gut – angesichts der damaligen weintechnologischen Erkenntnisse und Gerätschaften der 23 Jahre alte „Rüdesheimer“ noch schmeckte, bleibe hier einmal dahingestellt. Festgehalten werden soll dagegen Folgendes: Wein ist nicht einfach Wein, und schon gar nicht irgendein Getränk! Wenn ich Wein trinke, trinke ich – abgesehen von einigen mehr oder weniger löblichen Ausnahmen – nicht einfach „nur“, und schon gar nicht „irgendeinen“ Wein. Wie bei festen Nahrungsmitteln achte ich auch bei den flüssigen auf deren Herkunft, Herstellung und Qualität, denn der Mensch ist vermutlich nicht nur, was er isst, sondern er „thinkt“ wohl auch so, wie und was er trinkt …

Ralph Tanner

Guter Wein ist, nicht zuletzt dank einem Umdenken gerade in vielen kleinen und mittleren Betrieben, die seit Jahren wieder die Erträge reduzieren und vermehrt im Einklang mit der Natur arbeiten, sowie dank vielen technischen und anderen wissenschaftlichen Innovationen besser und bezahlbar geworden. Es gibt genussvolle Weine zwischen 10 und 20 Franken, die von gehobener Qualität und aus umweltgerechter Produktion sind. Man muss sie nur finden in dem ganzen globalisierten (Wein-)Wirrwarr. Genau hier beginnt meine Aufgabe, meine Dienstleistung für Sie, geschätzte Kundinnen und Kunden!

Vor vielen Jahren habe ich mich schon auf die Suche von bezahlbaren und gleichzeitig qualitativ bestechenden Weinen gemacht. In all den Jahren habe ich unzählige Weine verkostet und die besten für Sie, liebe Kundinnen und Kunden, ausgewählt. Meine Önosophie war und ist es, Weine zu suchen, die einerseits – önologisch gesehen – hochwertige Naturprodukte sind und andererseits meiner (Wein-)Philosophie entsprechen. Diese besteht darin, dass Weine ihre Herkunft auf eine möglichst gelungene Art und Weise wiedergeben sollen, d.h. die jeweilige Traubensorte(n), die entsprechende Bodenbeschaffenheit und die klimatischen und topographischen Einflüsse. In diesem Zusammenhang sprechen die Expertinnen und Experten auch vom „Terroircharakter“ eines Weins. Des Weiteren habe ich Weine für mein Sortiment gesucht, bei denen die Handschrift des jeweiligen Winzers, der jeweiligen Winzerin klar und deutlich erkennbar ist. Ich will meinen Kunden charaktervolle Weine und keine plumpen 0815-Weine anbieten. Ebenso habe ich mehrere Weine im Angebot, die über einen gewissen Seltenheitscharakter verfügen, da z.B. die entsprechende Traubensorte nur in einigen kleinen Gebieten Europas noch angebaut wird, sodass der Wein zur „Terroir-Tourvaille“ anvanciert.

Das Leben ist wahrlich zu kurz, um industrielle, für den Mainstream designte Massenware zu trinken, und die Welt ist zu schön, als dass man mit Helikoptern, deren Tanks mit Pestiziden gefüllt sind, über riesige, zuvor noch gerodete Gebiete fliegt, um das Gift über abertausende Rebstöcke zu versprühen, nur damit bestimmte Konsumenten eine Flasche Wein für einen Spottpreis ergattern können. Weniger ist mehr, dieser Grundsatz gilt auch, oder erst recht beim Weinkonsum.

Was letztendlich guter Wein ist, hängt natürlich immer auch vom individuellen Geschmack des Geniessers ab. Meine Önosophie kann und will beide nicht ändern. Ziel ist es vielmehr, die Konsumentinnen und Konsumenten darauf hinzuweisen, was guter resp. gut gemachter Wein auszeichnet, wie man ihn erkennt, was ihn von qualitativ minderwertigeren unterscheidet und warum er (allenfalls) ein wenig mehr kostet als seine billigen Brüder und Schwester im Discounter. Vor allem aber sollen die Besucherinnen und Besucher an meinen monatlichen „vin de(gu) garages“ wie auch an den „Grossen Degustationen“ auf W)E(i)ntdeckungsreisen gehen können. Sie sollen sich ein eigenes Bild von meinen Weinen machen können, dabei ihr Wissen und ihre sensorischen Fähigkeiten, die jede(r) hat, vertiefen, und last but not least die Weine finden, die sie dann aus Überzeugung auftischen, wenn ihre Freunde zu Besuch kommen. Damit Sie sich bei mir besser und einfacher zurechtfinden als vor einem grossen Weinregal in irgendeinem Supermarkt, habe ich für die Weine eigene verständliche Kategorien mit Wiedererkennungswert geschaffen und zu jedem Wein eine eigene ausführliche Beschreibung inkl. Verkostungsnotiz und Speiseempfehlungen verfasst. Gerne berate ich Sie auch in einem persönlichen Gespräch.

In diesem Sinne begrüsse ich Sie ganz herzlich in meiner „FeinSeinWein-Welt“! Verkosten und geniessen Sie mit mir und meinem Team all die sorgsam ausgewählten Weine und diskutieren Sie mit uns über Wein, Gott und die Welt! Wohl bekomm’s!

Ihr Önosoph

Ralph Tanner